60 Jahre Zupforchester am Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau

von Christa Fietz und Annette Schneider


Die Gründung des Zupforchesters auf Initiative von Erhard Fietz 1958 fiel noch in die Fachschulzeit des Konservatoriums. Die Mitglieder waren bis zur Umgestaltung des RSK zur Bezirksmusikschule 1963 Studenten. Das Orchester überlebte unter der Direktion von Friedrich Kalweit glücklicherweise die Einschnitte in den Bereich der Volksmusikinstrumente. Es wurde eines der Aushängeschilder des Konservatoriums. Für die Ausbildung im Fach Mandoline zeichnete ausschließlich Elisabeth Kalweit, vormals Fietz verantwortlich. Sie und die Gitarrenlehrer Hugo Kaiser, Erika Milde und Martina Schlagmann bereiteten die Schüler vor und leiteten die Registerproben. Die Bassbesetzung wechselte nach Bedarf und Möglichkeit, bis die Quintbassgitarre zur festen Größe wurde. Kollegen und Schüler, auch aus anderen Fachbereichen, wirkten gern als Solisten mit. Vom Trägerbetrieb SDAG Wismut, Aufbereitungsbetrieb Crossen, kam großzügige Unterstützung.


Höhepunkte waren die mehrmalige Delegierung zu Arbeiterfestspielen .1976 wurde die szenisch- musikalische Aufführung einer „Vogtländischen Hochzeit“ mit einer Goldmedaille belohnt. Damit war die Teilnahme am Internationalen Folklorefestival im Komitat Tolna/Ungarn verbunden. 1976 wurde das Orchester mit dem Kleinen Schumann-Preis ausgezeichnet. Von 1990 an folgten Einladungen zu Bundesmusikfesten und Eurotreffs, den späteren Eurofestivals der Zupfmusik, die Teilnahme an Landesorchesterwettbewerben, die Ansporn waren und den Ehrgeiz zum „Aufstieg“ weckten. Das gilt bis heute.


Der DOW Goslar 1992 war ein besonderes Erlebnis. Erhard Fietz konnte in einem Beispielkonzert das „Volksinstrumentenorchester“ präsentieren – eine Besetzungsform, für die es sehr reizvolle, aber wenige Kompositionen gibt. Der Begriff bedurfte allerdings einer vorherigen Erklärung…


Ehrenvoll war auch der Beitrag zur Festveranstaltung „5 Jahre Sächsischer Musikrat“ 1995. 1998 übernahm Annette Schneider die Leitung des Orchesters. Die Pädagogin, Musikerin und Komponistin hat ihre Wurzeln am KON und in diesem Orchester nicht vergessen. Und so werden neue Ideen an Traditionen angeknüpft. Neben Werken aus Barock, Renaissance und Spätromantik gehören immer wieder zeitgenössische Komponisten wie Jürgen Golle, Werner Richter und Erhard Fietz ins Programm. Ja, und auch der „Fluch der Karibik“ wird mit viel Temperament und Feuer gegeben. Annette Schneider komponierte ebenfalls für das Orchester, wie das beim Kompositionswettwerb im spanischen Logrono preisgekrönte Stück “der Clown und die Nacht“ oder “Studio“. Die Zwickauer Zupfer sind beim Eurofestival Zupfmusik alle vier Jahre ein sehr gern gesehener Gast und werden vom Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau und dessen Förderverein unterstützt.2017 kam die CD “Vielsaitig gezupft“ des Fachbereiches Zupfmusik heraus. Mittlerweile zählen Preisträger des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ zur Orchesterfamilie. Und trotzdem ist nach wie vor das respektvolle Zusammenspiel von Schülern und Lehrern, Jugendlichen und Junggebliebenen das Wichtigste. Die Idee, das Jubiläumskonzert neben einer Straßenbahn stattfinden zu lassen, war eine junge und begeisterte alle. Straßenbahnen symbolisieren Bewegung in der Musik, den Ideen, den Generationen. Das spürt man, wenn ehemalige Schüler wiederkommen. Die Sologitarristin des Konzertes, Katja Wolf, ist eine von ihnen.


Ja, auch für dieses Musikschulorchester ist der Spätsommer immer eine aufregende Zeit: Schüler gehen irgendwann in die weite Welt, um dort zu bleiben oder wieder zu kommen. Jedes Schuljahr ist ein Neustart. So wird es auch nach dem Jubiläumskonzert sein. Aber schon jetzt sitzen ehemalige Zirlibo-Kinder im großen Orchester. Und weitere zupfen sich bei den Zirlibos zur nächsten Liga.