Rückschau auf 25 Jahre BDZ LV Sachsen

Über die Geschichte der Zupfmusik in der DDR kann wer möchte im Band 26/2002 der Schriftentreihe der Bundesakademie Trossingen nachlesen.

Der Landesverband der sächsischen Zupfmusiker entstand – wie mancher große Fluss – aus einer Art Quellgebiet.

Kurt Schwaen, Freund und Förderer der Zupfmusik, rief im Februar 1990 zur Gründung der „Initiativgruppe Zupfmusik der DDR“ auf. In der Folge entstand der „Bund Deutscher Zupfmusiker in der DDR“mit Sitz in Zwickau und Erhard Fietz als Präsident.

Vom Bundesvorstand kamen Handreichungen zur Anpassung an die Strukturen im Verband. Erhard Fietz wurde Mitglied des Bundesvorstandes und als profunder Kenner der Zupferszene in der DDR dessen „Ostbeauftragter“.

Nach dem Konzert „Aspekte der Zupfmusik“ in Zwickau am 6. Oktober 1990 wurde im Beisein des damaligen BDZ-Präsidenten Rüdiger Grambow die Gründung des Landesverbandes Sachsen beschlossen. Die erste Landesmitgliederversammlung wählte am 10. November 1991 den Vorstand.

Zugleich begann die Herausgabe des „Sächsischen Zupfmusikers“, anfangs gedruckt, später online. Das Blatt ist in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig und natürlich auf der Website des BDZ Sachsen in 55 Ausgaben einsehbar.

Erhard Fietz blieb Präsident bis 2003. Er übergab das Amt an Dr. Steffen Wolf, und auf diesen folgte 2011 Dr. Michael Bunk.


Erhard Fietz durfte 1988 am 1. Internationalen Mandolinensymposium in Trossingen teilnehmen. Noch völlig frei von Vorahnungen der künftigen Entwicklung konnte er dort namhafte Vertreter der sehr lebendigen westlichen Zupferszene kennenlernen. Die beiderseitige Neugier und die Sympathie waren groß. Nach der Grenzöffnung ergaben sich musikalische Begegnungen in Zwickau, Dortmund, Wuppertal, bei Eurofestivals der Zupfmusik in Rastatt, Buchen im Odenwald, Friedrichshafen am Bodensee und Bruchsal und bei Teilnahmen am Deutschen Orchesterwettbewerb. Unser Landesjugendzupforchester ließ bei Wettbewerben für Auswahlorchester aufhorchen. 1992 gab es ein Ost-West-Treffen in Zwickau, an dem 17 Ensembles teilnahmen. Die Region rückte nicht zuletzt durch den einschlägigen Instrumentenbau ins Blickfeld. 1994 fand das Bundesmusikfest in Schöneck statt.


Wir sind ein vergleichsweise kleiner Verband mit 28 Einzelmitgliedern und ca. 150 Spielern in 10 aktiven Mitgliedsensembles. Hier ist zu guten Teilen Personalunion zu verzeichnen. Einige Gruppen haben sich aus Altersgründen aufgelöst oder neu formiert. Dafür wächst langsam Jugend nach. Ein Aushängeschild ist das Gitarrenorchester „Iuventa Musica“ Hoyerswerda – ein vitales begeisterndes Jugendensemble.

Das schon 1993 ins Leben gerufene Landesjugendzupforchester bezieht seine Mitglieder hauptsächlich aus den Konservatorien Dresden und Zwickau und der Musikschule Freiberg, an denen es hauseigene leistungsfähige Orchester gibt. Auf diesen Schulen ruht unsere Hoffnung, und unsere Wünsche und Bemühungen richten sich auf Leipzig und Chemnitz, wo namentlich die Mandoline noch nicht ganz vergessen ist.

2012 brachten erwachsene Spieler ein Landesorchester auf den Weg.

Aufgrund seiner Altersstruktur passt es zwar in kein Förderprogramm, zeigt aber ein wesentliches Anliegen im Verein – das generationsübergreifende Zusammenwirken im gemeinsamen Interesse zur eigenen Freude und Erbauung wie zur Bereicherung des öffentlichen Lebens. Es durfte sich beim 1. Sächsischen Musikfest in Grimma 2015 bewähren. Dank der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen konnte nach Projekten mit dem Komponistenverband und dem Sächsischen Musikbund für Kinder und Jugendliche ein Kompositionsauftrag für dieses Orchester vergeben werden. Im Festkonzert zum Jubiläum am 30. Oktober 2016 in Zwickau kam die „Suite für Zupforchester“ von Rolf Thomas Lorenz zur Uraufführung.

Einen dritten überregionalen Klangkörper können wir mit dem Sächsischen Gitarrenensemble präsentieren. Die Gitarristen fanden sich 1995 zusammen und entfalten rege Konzerttätigkeit.


Mehr oder weniger weit über Sachsens Grenzen hinaus reichen die Veranstaltungen des Ersten Vogtländischen Gitarre-Fördervereins Erlbach. Seit dem Sommer 1993 wird alljährlich zum Internationalen Festival „Abel Carlevaro - Gitarre und Natur“ nach Erlbach eingeladen.

Die Februar-Meisterkurse für Mandoline und Gitarre mit Steffen Trekel und Michael Tröster erlebten 2016 ihre 20. bzw. 19. Auflage.


Auf Anregung von Gerhard Puhlfürst und dem Verein „Saxoniade“ wurde 1998 der deutschlandweit ausgeschriebene „Roland-Zimmer-Jugendwettbewerb“ etabliert, der großen Zuspruch unter jungen Zupfern findet. Mit diesem Wettbewerb wird an den bedeutenden Gitarristen und Lautenisten und langjährigen Professor an der „Franz-Liszt-Hochschule“ Weimar erinnert.


Steffen Wolf begründete 2004 in Kooperation mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau, Studiengang Musikinstrumentenbau einen Instrumentenfonds für das Landesjugendzupforchester. Franziska Henke, die als Komponistin im Programm des oben genannten konzertes – und das nicht zum ersten Mal! – stand, war eine der ersten Empfängerinnen einer von einem Studenten gefertigten Gitarre.


Wir können froh sein über Erreichtes, sehen aber auch noch reichlich Arbeit. Anregung und Unterstützung nehmen wir dankbar an und neue Mitglieder gerne auf. Die Mitgliedschaft im Verband ist nicht an aktives Spiel gebunden. Besonders glücklich wären wir natürlich über viele neue Spieler.


Wir danken allen, die sich in Organisation und Ideen, mit hilfreichen Spenden und Händen, mit Zeit und Bereitschaft in unseren Verband einbringen, und nicht zuletzt sind wir froh über Beratung und Förderung durch den Sächsischen Musikrat und die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.


von Christa Fietz